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In der Literatur zu der Krankheit wird übereinstimmend von einer Zunahme der Krankheit, vor allem in den letzten 10 Jahren (Daten von 1996) gesprochen, obwohl bisher noch exakte Zahlen fehlen. Die Schätzungen zur Erkrankungshäufigkeit für die Risikogruppe junger Frauen und Mädchen liegt zwischen 2 und 4% (Fichter 1985). Hauptsächlich Mädchen und junge Frauen aus der Mittel- und Oberschicht sind betroffen. Es gibt eine geringe Zahl männlicher Patienten (der Anteil wird auf 4,5% der Erkrankten geschätzt).


KRANKHEITSBILD

Gängige Klassifikationskriterien:

- permanente gedankliche Beschäftigung mit Essen und eine unwiderstehliche Gier
nach Nahrungsmitteln

- mindestens 2 Eßanfälle pro Woche, einhergehend mit dem Erleben von
Kontrollverlust

- es werden Maßnahmen zur Gewichtskontrolle ergriffen: z.B. selbstverursachtes
Erbrechen oder Einnahme von Appetitzüglern, aber ebenso zeitweilige
Hungerperioden und Diäten
- es herrscht eine anhaltende Sorge um Körperumfang und Gewicht

- das Körpergewicht liegt mit Schwankungen im Bereich des Normalen
Charakteristisch für das Krankheitsbild sind die episodisch wiederkehrenden Heißhungeranfälle. Die Patienten essen bei diesen Anfällen große Mengen hochkalorienhaltiger Nahrungsmittel (Die Kalorienanzahl wird pro Anzahl bei 3000-4000 Kalorien angegeben, in Einzelfällen bis zu 10000 Kalorien).
Gegessen wird in der Regel in aller Heimlichkeit. Zu Beginn ist das Essen noch gewollt, doch es ist typisch, daß sie während des Essens ein Gefühl des Kontrollverlustes erleben.
Das Essen endet, wenn die Kapazitäten erschöpft sind und wird meist durch selbst herbeigeführtes Erbrechen beendet. Das hat häufig den Zweck, eine Gewichtszunahme zu vermeiden. Die Abfolge von Essen und Erbrechen kann sich mehrmalig wiederholen, bis zur totalen Erschöpfung.
Dem Eßanfall folgt meist eine deprimierte Stimmung. Es stellt sich ein typisches Gefühl der Leere ein, das dem Eßanfall vorausging. Sie schämen sich für ihr impulshaftes Verhalten.
"Scham und Heimlichkeit, Selbstverachtung und Depressivität führen zu einer zunehmenden sozialen Isolation. Die enormen Kosten für Nahrungsmittel bedingen oft finanzielle Schwierigkeiten. Der Verlauf ist meist chronisch. Heißhungeranfälle wechseln sich ab mit Phasen normalen Essens und Phasen restriktiver Diäten. Oft dauert es Jahre, bis sich die Patientinnen um professionelle Hilfe bemühen" (Rudolf, 1996, S. 213).
Es treten körperliche Folgeerscheinungen als Resultat des gewohnheitsmäßigen Überessens und Erbrechens auf.
Bulimiepatienten verfügen über eine Krankheitseinsicht.


HINTERGRÜNDE/ MÖGLICHE URSACHEN

Gewichtsprobleme und Unzufriedenheit werden häufig als bewußtes Motiv für den Einstieg in die Krankheit genannt. Oft erwähnen die Patientinnen Freundinnen, die sich ebenfalls erbrechen oder Medien, die sie auf diese Form der Gewichtsregulation aufmerksam gemacht haben.
Im Vorfeld der Krankheit finden sich häufig Ablösungskonflikte von den Eltern, Beziehungsprobleme oder Trennungen. Aber auch persönliche Erfolge, wie ein bestandenes Examen, sind im Vorfeld der Krankheit festzustellen.
Die Krankheit entwickelt in ihrem Verlauf eine Eigendynamik, und die Auslöser verlieren an Bedeutung. Es genügen dann oft nach außen hin geringfügige Anlässe, um die Symptomatik auszulösen (z.B. wenn etwas nicht auf Anhieb klappt). Solche Situationen werden, ob sie nun real existieren oder nur eingebildet sind, als Kränkung empfunden. Dies löst bei den Patientinnen ungerichtete Ängstlichkeit, Verlassenheitsgefühle oder Wut aus.
Typisch für Bulimiekranke sind starre Norm- und Wertvorstellungen, die die freie Äußerung von Gefühlen nicht erlauben. Darüber hinaus widerspricht es dem eigenen Autonomie-Ideal, bedürftig und verletzlich zu sein. Die Auseinandersetzung mit der Konfliktsituation wird vermieden und mit einem inneren oder äußeren Rückzug beantwortet. Anstelle der Ängstlichkeit und Wut entsteht ein Gefühl der Leere und Entfremdung.
Durch die Krankheit werden die Konflikte auf den Bereich der Nahrungsaufnahme verschoben. "Essen und die gedankliche Beschäftigung mit dem Essen im Sinne von Entschädigung, Trost oder Belohnung werden zum Garant für Sicherheit und innere Befriedigung. Sie helfen, eine Gegenwelt zur enttäuschenden Realität aufzubauen" (Rudolf, 1996, S. 215). Doch Entlastung durch Nahrungsaufnahme ist nicht möglich, da Gewichtszunahme dem weiblichen Körperideal widersprechen würde. Um die Bedürftigkeit auch in diesem Bereich in ihre Schranken zu verweisen, müssen Strategien zur Gewichtskontrolle entwickelt werden.
"Man könnte formulieren, daß der sich im bulimischen Verhalten manifestierende Triebdurchbruch und die sich zeigende Bedürftigkeit nur unter der Bedingung des Anfalls, als einem quasi autonom ablaufenden Geschehen, möglich und für die Betroffenen z. T. auch entschuldbar sind" (a.a.O., S. 215).
Bulimische Patientinnen zeigen sich nach außen eher überangepaßt, leistungsorientiert und sehr kontrolliert. Während ihres Eßanfalles kommt es zu einem Durchbruch des Impulshaften, wobei das Wissen, den ganzen Vorgang durch späteres Erbrechen wieder rückgängig machen zu können, der einzig feste Punkt der eigenen Person zu sein scheint.
Zu Beginn der Krankheit überwiegen oft lustvolle Aspekte, was sich vor allem in der Vorfreude auf das Essen zeigt, aber auch im Akt des Essens. Bedeutsam ist, daß sie diese lustvollen Aspekte letztlich nicht genießen können. "Es kommt zu einem Wechsel der Erlebnisperspektive vom Täter zum Opfer, wobei der damit verbundene Kontrollverlust als bedrohlich erlebt wird" (Rudolf, 1998, S. 216).
Auslösend sind hier wahrscheinlich die begrenzenden Körpersignale. Das anfänglich lustvolle Erleben des Essens verwandelt sich mit zunehmender Füllung des Magens in eine gegen das Selbst gerichtete Kraft. Das Essen wird mit Gewalt hereingewürgt. Der Vorgang des Erbrechens soll das Ganze ungeschehen machen.


BEDEUTUNG UND FUNKTION DER NAHRUNG

Man kann den bulimischen Akt auch als Inszenierung eines Grundkonfliktes interpretieren. Thema ist das Streben nach Selbstwerdung mit eigener Identität und nach sicherer Abgegrenztheit. Gleichzeitig existiert eine Sehnsucht nach grenzenloser Verbundenheit. Es gibt keine Lösung für diesen Konflikt, so muß das Stück endlos wiederholt werden. Die Nahrung bekommt dabei die Bedeutung einer Bezugsperson. In der Literatur zu dem Thema wird betont, daß die Nahrung mit dem inneren Bild der Mutter verbunden ist. Doch im Verlauf der Krankheit kann sich die Bedeutung der Nahrung verändern, daher ist eine starre Bedeutungszuschreibung unzweckmäßig.
Nahrung ist zunächst für die Patientinnen eine verfügbare und kontrollierbare Substanz (Vergleichbar mit einem Übergangsobjekt der Kindheit) und wird wegen der tröstenden Wirkung herangezogen. Auf der Ebene der zwischenmenschlichen Beziehungen verkörpert die im Verlauf der Krankheit zunehmende Gier Anklammerungswünsche und Wut über enttäuschende Beziehungserfahrungen. Der Beziehungspartner (Repräsentant dieser Person ist die Nahrung) soll in den eigenen Besitz gebracht und einverleibt werden, um wieder eins mit ihm zu sein.
Doch diese Aufhebung der Grenzen ist auch mit einer Gefahr für die eigene Identität verbunden. Sie können sich nicht mehr als eigenständige und abgegrenzte Individuen erleben.
Haben sie sich die Nahrung einverleibt, ist sie auch nicht mehr kontrollierbar und droht die Grenzen aufzuheben. Die Nahrung wird von etwas Verfügbarem zu einer verfügenden Substanz, über die die Kontrolle verloren wurde.
Aus dieser Konfliktsituation befreien sie sich, indem sie den Körper als etwas nicht zu sich gehörendes erschaffen. Er wird zu etwas schlechtem, wird verabscheut, indem er als fett, ekelhaft und schmutzig erlebt wird, daher Aggression, Bestrafung und Schuld auf sich zieht und dazu gezwungen werden muß, die Nahrung wieder herzugeben. Mit dem Erbrechen soll der Ausgangszustand wiederhergestellt werden. Die Kontrolle soll wiedererlangt werden. Nahrung wird wieder zu etwas kontrollierbarem und verfügbarem.
Wenn der Anfall vorbei ist, die letzten Spuren beseitigt, der Rausch vorbei, ist die Betroffene wieder mit sich allein und verspürt Scham, Reue und Einsamkeit. Bulimikerinnen nehmen sich vor, so etwas nie mehr zu tun und haben das Wissen, daß sie diese Erfahrung letztlich mit niemandem besprechen können. Dieser Rückzug legt die Weichen für den nächsten Anfall.


FAKTOREN DER KRANKHEITSENTSTEHUNG UND ENTWICKLUNG

Bulimiepatienten fassen eine sehr heterogene Gruppe zusammen. Außerdem ist die Abgrenzung zur Magersucht in den Übergangsbereichen schwierig. Bislang gibt es kein einheitliches Erklärungsmodell für Bulimie. Das Wissen über anlagebedingte, auslösende und krankheitsfestigende Faktoren ist noch gering.
Zu den diskutierten Einflüssen, die die Empfänglichkeit für die Krankheit steigern, gehören der familiäre und soziale Kontext der Kranken, sowie die individuell-biologischen und die Erbsubstanz betreffenden Faktoren.
Die hohe Erkrankungshäufigkeit junger Frauen und Mädchen in westlich orientierten Industrieländern weist auf sozio-kulturelle und soziale Einflüsse hin.
Die Bedeutung des individuell-psychologischen und familiären Kontextes gestaltet sich schwierig. Diskutiert wird, daß Bulimie-Patienten nicht gelernt haben, eigene Bedürfnisse richtig wahrzunehmen und durchzusetzen. Soziale Fertigkeiten sind nicht ausreichend ausgebildet, und wegen ihres geringen Selbstwertgefühls und der Angst, die Zuneigung anderer leicht zu verlieren, richten sie sich übertrieben nach den Forderungen anderer Menschen.
Eine empirische Untersuchung von Fichter und Haberger (1990) fand in der Vorgeschichte bulimischer Frauen überzufällig häufig sexuelle Übergriffe und sexuellen Mißbrauch.
Psychoanalytische Ansätze suchen die Ursachen in konflikthaften oder von Mangelerlebnissen geprägten Entwicklungsverläufen der Kindheit.
Als krankheitsauslösend nimmt man Belastungsmomente wie Trennungen, Beziehungsprobleme oder allgemein kritische Lebensereignisse an. Die krankheitsfestigenden Faktoren kann man als einen sich selbst erhaltenden Kreislauf beschreiben: Ursprünglich sollte das bulimische Verhalten dazu dienen, ein besseres emotionales Gleichgewicht herzustellen; es führt aber zu körperlichen und psychischen Veränderungen, die bald eine Eigendynamik entfalten. Der Körper paßt sich an die veränderte Nahrungsaufnahme an, und als Folge der Heißhungeranfälle und der ausgleichenden gewichtsregulierenden Maßnahmen kommt es zu körperlichen Folgeerscheinungen, wie erniedrigtem Blutdruck und Puls, Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit u.a., die wiederum auf den psychischen Zustand zurückwirken und zu einer Verstärkung des Symptoms führen.


THERAPIE

Da die Patientengruppe ein sehr vielfältiges Bild abgibt, sind auch die Behandlungsmöglichkeiten vielfältig. Es empfiehlt sich meistens ein symptom- und konfliktzentriertes Vorgehen. Bei schwer erkrankten Patienten ist es empfehlenswert, dieses stationär einzuleiten.
Problematisch ist, daß sich viele Patienten erst nach Jahren, wenn die Störung bereits chronisch ist, an professionelle Hilfe wenden. "In dieser Zeit hat die bulimische Symptomatik im Erleben der Patientinnen, meist entkoppelt vom aktuellen Konflikt- und Beziehungsgeschehen, bereits eine Eigendynamik entwickelt, die ohne konkrete Hilfen auf der Symptomebene nur schwer zu durchbrechen ist. Zusätzlich ist eine konfliktzentrierte therapeutische Übersetzungsarbeit notwendig, um der Patientin den Rückbezug vom Symptomverhalten auf die zugrundeliegenden Problembereiche zu ermöglichen" (Rudolf, 1996, S. 219).
Bulimiker haben ihr Selbsterleben häufig in einen äußerlich angepaßten und gut funktionierenden und in einen impulsgetriebenen Anteil gespalten. Ziel und Schwierigkeit der Therapie ist es, die Integration beider Anteile zu ermöglichen. Schwierig ist es, wenn die Patienten in der Therapie die Spaltungsbemühungen aufrechterhalten.
Die jeweilige Akzentsetzung der Therapie wird entschieden, je nachdem, welche der genannten Faktoren bei der jeweiligen Person wirksam sind.

Quelle: Psychologie Online



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